Advent – Rhythmus des Lebens
„Die Wüsste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien (Jesaja 35,1).“ Sind das Bilder für den Dezember? Blicke auf Orte, die nicht mehr bewohnt werden können? Einöden sind menschenleer. Und ein Land ist zur Wüste gemacht, wenn es nichts mehr enthält von dem, was wir zum Leben brauchen.

Ein Freund von mir ist leidenschaftlicher Wüstenwanderer. Er berichtet begeistert vom funkelnden Sternenhimmel in der kalten Wüstennacht. Diese Stunden sind nicht einsam oder leer – und geistlos schon gar nicht.

In den Wochen des Advents startet der Rhythmus des Lebens neu. Und doch ist jeder Tag unverwechselbar. Ich kann es nicht vorherbestimmen oder gar beeinflussen. So wird es immer wieder Wüstentage geben: zwischen trocken und sandig, zwischen einsam und leer. Ich kann im Dezember Wüstentage und einsames Leben zulassen. Sie bleiben zwar unwirtliche orte, zeigen aber auch himmlische Gefühle. Meinen natürlichen Lebensrhythmus können Wüstentage und Einöde nicht besiegen. Sie helfen, tief einzuatmen, Luft zu holen, den Sand abzuwehren, der in die Augen, den Mund, die Nase dringen will. An Wüstentagen finden meine Augen weite Blicke. Sie rücken mein Warten und Hoffen zurecht. Sie bieten Land für neue Gedanken, verzichten auf Lärm.

Vielleicht sollten die Wüstentage in der Adventszeit besser Oasentage werden, befragt nach der frohlockenden Bedeutung von Nutzen und Ziel.

Erich Franz (Gemeindebrief-evangelisch.de)