Pamita – 25 Jahre Partnerschaft mit Tanzania

Im Partnerschaftsgottesdienst 2016 haben Mitglieder des Gairokreises die Höhepunkte und Themen zum Nachdenken aus den vergangenen Jahren aber auch von heute vorgetragen. Der Text wurde von Pfr. Josef Höglauer, Dekanatsmissionspfarrer verfasst und können Sie hier unten nachlesen:

25 Jahre ist es jetzt her, dass Vertreter des Dekanats Mpwapwa und welche des Dekanats Traunstein den Vertrag für eine Partnerschaft unterzeichneten. Und es blieb nicht bei einer förmlichen Unterzeichnung. Die Partnerschaft füllte sich mit Leben.

Vieles wurde seitdem gebaut. Ich denke an die vielen Kirchen, die Kindergärten, Pfarrhäuser, Regenwasseranlagen und Brunnen, die seitdem gebaut wurden. Ich denke an die Krankenstation in Chamkoroma, die heute vielen Menschen einen Arztbesuch ermöglicht, ohne einen halben Tag gehen zu müssen. Von diesen Gebäuden kennen wir Bilder oder einige von uns haben sie schon betreten. Es sind Früchte der gemeinsamen Partnerschaft.

Aber es wurde seitdem noch vielmehr gebaut. Wir haben miteinander Gottesdienste gefeiert, wenn wir zu Besuch in Tansania waren oder wenn wir Gäste aus Tansania bei uns begrüßen durften. Wir haben gemeinsam gebetet und gesungen. Und damit etwas aufgebaut, das man vielleicht nicht gleich mit den Augen erkennen kann, aber das wir spüren können, wenn wir Nachrichten aus Tansania bekommen oder einander besuchen. Es ist Vertrauen entstanden, aus dem viel wachsen konnte. Wir konnten bildlich gesprochen ein Haus bauen, das auf festem Felsen steht.

Es gab in dieser Zeit auch die Momente, in denen Platzregen und Sturm dieses Haus bedrängt haben. Ich denke an die Ernteausfälle in Tansania oder an die Situation, dass viele Schüler im Dekanat Mpwapwa Unterstützung brauchen, um die Schulgebühren zu bezahlen. Das bricht über das gemeinsame Haus herein. Aber es ist ein gemeinsames Haus, da kann man den anderen nicht alleine lassen. Wir konnten helfen und die Freunde in Mpwapwa unterstützen, dass sie Mais kaufen konnten. Seit einigen Jahren können wir regelmäßig das Schulgeld für viele Schülerinnen und Schüler übernehmen und ihnen damit die Chance auf eine gute Zukunft ermöglichen. Das geschieht durch den Stipendien- und Waisenfonds. Investition in die Bildung ist eine Investition in die Zukunft Tansanias. Da spüre ich, wie fest dieses Haus auf dem Felsen steht.

Anfangs, als der Vertrag unterzeichnet wurde, wussten wir das noch nicht. Es hätte auch so laufen können, dass sich nach dem Abschluss keiner mehr besonders verantwortlich fühlt und dass man die Partnerschaft nur noch auf dem Papier hat. Das wäre für mich ein Beispiel für ein Haus, das auf sandigem Boden gebaut ist. Aber das ist Gott sei Dank nicht der Fall.

Wir haben fest gebaut und bemühen uns, fest weiterzubauen.

Wir sind jetzt in einer Zeit angekommen, in der uns die Erfahrungen unserer tansanischen Partnergemeinde helfen können. In Deutschland herrscht in nicht geringen Teilen der Bevölkerung Unsicherheit und Angst wegen der Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen. Viele von ihnen sind Muslime. Und nun befürchten manche Deutsche, das Land könnte auf diese Weise schleichend „islamisiert“ werden. Darüber hinaus fürchten einige, die Menschen könnten ihnen den Arbeitsplatz oder günstigen Wohnraum streitig machen.

Leider ist es auch schon oft soweit gekommen, dass Häuser, die für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurden, angezündet wurden, um den Einzug zu verhindern. Es kommt zu einer Ausgrenzung der Flüchtlinge und insbesondere zu einer Ausgrenzung der Muslime. Ihnen wird unterstellt, dass sie gewalttätig seien. Es wird oft nicht unterschieden zwischen Islamisten, die mit Anwendung von Gewalt ihre Ideologien durchsetzen wollen und den Muslimen, die einfach im Frieden ihren Glauben leben wollen.

In Tansania wird das anders erlebt. An dieser Stelle können viele von uns Deutschen von den Menschen in Tansania lernen. Christen und Muslime leben in Städten und Dörfern selbstverständlich zusammen. Nicht wenige Familien sind religionsübergreifend, weil die einen Muslime sind und die anderen Christen. Die jeweils andere Religion wird anerkannt. Und wenn es Unstimmigkeiten geben sollte, dann klären die beiden Religionsgemeinschaften das untereinander.

Da spürt man, dass der Glaube auf festem Grund steht. Wenn ich von meinem eigenen Glauben tief überzeugt bin – und das gilt für Gläubige aller Religionen – dann kann ich mich, ohne Angst haben zu müssen, mit Vertretern anderer Religionen austauschen und gegebenenfalls Probleme klären.

So machen es diejenigen, die auf festem Felsen gebaut haben und keine Angst zu haben brauchen.

Aber es gibt auch die anderen. Diejenigen, die Angst haben, dass das eigene Gebäude einstürzen könnte. Ich erinnere mich an eine Situation in Tansania, die zur Eskalation geführt hat. Es war im Jahr 2012. Ein vierzehnjähriger Muslim erzählte einem zwölfjährigen christlichen Jungen, er würde sich in eine Schlange verwandeln, wenn er auf den Koran uriniert. Sie einigten sich auf ein Experiment. Natürlich verwandelt sich der Junge nicht. Aber die Eltern des Vierzehnjährigen haben davon erfahren und haben sehr besonnen reagiert. Sie haben das Gespräch mit den Eltern des Zwölfjährigen gesucht und die Sache somit klären können.

Davon aber haben andere etwas mitbekommen. Gerüchte wurden weitererzählt und es kam sogar so weit, dass Menschen begannen zu randalieren. Sieben Kirchen wurden geschändet, eine wurde in Brand gesteckt. Bei Ausschreitungen wurden viele Menschen verletzt. Und das alles wegen eines Kinderspiels.

„Der Scheich der Region sagte, Islam bedeute Friede; immer sollten die Gläubigen Toleranz üben, wie der Koran sage. Ein Pater betonte, die Christen sollten nicht generalisieren und alle Muslime beschuldigen. In Tansania gebe es keinen Hass zwischen den Religionsgruppen. Der damalige Präsident Kikwete besuchte das Gebiet und besichtigte die Kirchen. Aufs schärfste verwarnte er diejenigen, die Kirchen beschädigt hatten. Er sagte, es sei eine Schande für Tansania; viele Jahre habe es Frieden und religiöse Toleranz gepflegt. Und nun das!“

Hier sieht man, wie schnell das Haus zu wackeln beginnen kann. Wenn Menschen die Fäuste ballen, anstatt sich auf die Grundwerte ihres Glaubens zu besinnen, scheint mir ein sandiger Boden ziemlich gefährlich zu werden.

Und so ähnlich erleben wir das gerade in manchen Teilen Deutschlands. Der Boden versandet. Anstatt sich auf die Grundwerte des Christentums zu konzentrieren, wird gegen Flüchtlinge und insbesondere Muslime opponiert.

In Tansania ist die Situation in der Regel Gott sei Dank anders. Christen und Muslime leben in Frieden zusammen. Und das könnten wir in Deutschland von ihnen lernen. Wir können uns auf die Grundwerte des Christentums besinnen, in dem die Nächstenliebe ganz oben steht. Die Bergpredigt gibt uns da eine ganz klare Perspektive. Und an deren Ende steht: „Wer diese meine Rede hört“ spricht Jesus, „der gleicht dem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut.“ Ohne die Nächstenliebe, ohne das aufrichtige Zugehen aufeinander über die Grenzen der Religion hinweg, kann das Haus nicht feststehen. Ein Ziel, an dem wir wohl in beiden Dekanaten arbeiten können, wo wir aber auch von unseren tansanischen Freunden lernen können.

Vieles wurde schon gebaut, vieles wird noch gebaut werden. Es waren 25 Jahre und es werden – so hoffen wir – noch viele weitere dazukommen. Damals wurde von Tansaniern und Deutschen gemeinsam ein Vers aus der Bibel ausgewählt, der der Partnerschaft zu Grunde legen soll. Dieser heißt: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Vielleicht kann auch das unseren Glauben festigen, was wir vor 25 Jahren unterschrieben haben. Weil Gott die Welt liebt, Tansania, Deutschland und all die anderen Länder, schickt er seinen Sohn. Christus ist die Mitte für die Menschen in Tansania und Deutschland. Und aus dieser Mitte heraus haben wir die Partnerschaft bis jetzt gestaltet. Lasst sie uns aus Christus heraus weiterführen. Indem wir uns voneinander berichten, indem wir voneinander lernen. Indem wir füreinander beten. Indem wir uns gegenseitig unterstützen. Auf diese Weise wird der Glaube konkret. Und wir bauen weiter an unserem Glaubenshaus, das auf festem Felsen steht. Und wir pflügen den Acker, auf dem diese Partnerschaft weiter wachen kann. Sie hat ganz klein begonnen, aber in den 25 Jahren ist schon viel geschehen. Wir bitten darum, dass Gott diese Partnerschaft weiterhin wachsen und gedeihen lässt.

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