Kleine Baugeschichte der Erlöserkirche und ihrer Vorgängerin
Am 07.06.1875 wird der erste evangelische Gottedienst im Hotel Schwan in Mühldorf gefeiert.
Im Jahr 1908 erwirbt der Verein der Protestanten das Grundstück an der Mühlenstraße.
Am 21.10.1923 wird die erste evangelische Kirche eingeweiht. Sie stand auf der heutigen Gemeindewiese.
1924 erhält die Kirche ein Altarbild (H. Herzog, München), das heute in der Auferstehungskirche in Töging hängt.
1941 fertigt der Holzbildhauer Engelbert Hein aus Altmühldorf die drei Altarreliefs (Christusmonogramm, Taufe Jesu, Abendmahl in Emmaus). Von wem die Entwürfe stammen ist unbekannt. Eine Orgel (Fa. Glatzl, Altmühldorf) ist praktisch fertig gestellt, kann aber mangels Fachkräften nicht aufgebaut werden.
Beim Bombenangriff auf Mühldorf am 19.03.1945 wird die Kirche total zerstört.
Am 24.11.1945 beschließt die Kirchenverwaltung, den verbesserten Vorentwurf des Architekten Johannes Ludwig anzunehmen.
Im Janaur 1946 wird der Bauplan für eine neue Kirche eingereicht (die Gemeide ist durch die vielen Flüchtlinge von 550 auf 8800 Gemeindemitglieder angewachsen).
Am 12.07.1946 gewährt der Landessynodalausschuss aus dem Ausgleichsstock 1944/45 einen Zuschuss von 9.000 RM zum Bau der neuen Kirche.
Die Grundsteinlegung der Erlöserkirche wird am 21.07.1946 gefeiert.
Im April 1947 ist der Kirchbau fast bis zum Dachstuhl gediehen, dann fehlt Baumaterial. Der Turm ist noch nicht begonnen.
Zwischen Juni 1947 und Juni 1948 bleibt der Bau leigen. Gründe hierfür sind fehlendes Material, fehlende Arbeitskräfte, Unstimmigkeiten zwischen Baufirma und Bauherrn. Pfarrer Weichlein "erpredigt" sich buchstäblich das Bauholz. Es kommt aus der Kirchengemeinde Erkheim bei Memmingen. Im Zuge der Währungsreform (die Reichsmark wird 10:1 in DM umgetauscht) ist das Ersparte nur noch ein Zehntel wert.
Im Jahr 1948 werden Dachstuhl und Dach aufgesetzt. Der Rohbau ist fertiggestellt, der Turm provisorisch bis zur Dachhöhe aufgemauert. Das musste sein wegen der Treppe zur Empore. Beides ließ aber noch auf sich warten.
Zwischen Febraur 1948 und Februar 1950 ruht der Bau vollständig.
Im Februar 1950 soll die Kirche wenigstens soweit fertiggestellt werden, dass Gottedienste gehalten werden können. Die Empore wird im Rohbau aufgerichtet. Die Hälfte der geplanten Kirchenbänke wird beschafft.
Einweihung der Erlöserkirche am 29.05.1950. Der Turm ist unvollendet, es gibt noch keine Treppe, die Kirche ist ohne Außenputz, die Bänke stehen auf dem nackten Fußboden, die Empore hat keinen Fußboden, das Orgelprojekt ist seit 1941 unvollendet und die Glocken fehlen. dass die Kirche überhaupt in Gebrauch genommen werden kann, ist wohl weiteren Zuschüssen der Diasporawerkte Gustav-Adolf-Werk und Martin Luther Bund, einer Haussammlung und einem weiteren Zuschuss der Landeskirche zu verdanken, um die sich Pfarrer Weichlein unermüdlich bemüht hat. Einziger Schmuck zu diesem Zeitpunkt sind die vier Säulen aus Msuchelkalk, auf denen die Bögen der Apsiden und die Empore ruhen. Der Innenraum der Kirche wirkt durch seine schlichte Architektur und die Lichtführung (vgl. MAZ vom 13.05.1950, Archiv 61/1).
Am 10.02.1952 wird die Leih-Glocke (gegossen 1680) aus Möllwitz aufgehängt und eingeweiht.
Zwischen März und Mai 1952 bekommt die Empore einen Fußboden und die Orgel wird aufgestellt und am 02.06.1952 geweiht.
Im Mai 1953 wird die Kirche außen verputzt und das Ornament über dem Portal angebracht.
Im November 1953 bekommt die Kirche endlich einen ordentlichen Fußboden (Hochdruck-Stampfasphaltplatten in rot und Terazzi-Stufen in anthrazit)
Am 05.09.1954 wird die 2. Glocke aufgehängt und geweiht.
Am 05.11.1954 wird der Altar ergänzt mit dem großen Kreuz aus Oberammergau, dem Fries mit dem Spruch, sowie der Leuchterleiste.
Im Jahr 1955 werden Pfarrhaus und Gemeindehaus gebaut und durch den Querbau mit der Kirche verbunden.
Die 3. Glocke "Danket" wird am 29.05.1955 geweiht.
Im Oktober 1955 wird hinter dem Portal ein Windfang eingebaut und im Gllockenstuhl werden 3 Eisenträger eingezogen.
1956 werden neue Bänke aufgestellt. Die Lampen werden nach einem Entwurf von Architekt Prof. Ludwig extra angefertigt und installiert.
Das hölzerne Kirchenportal wird 1961 mit Kuper überzogen um der Witterung besser trotzen zu können.
Am 17.11.1963 beschließt der Kirchenvortand, eine Gedächtnisstätte mit Buntglasfenster für die Gefallenen im Turm einzubauen.
Im Jahr 1978 wird die Orgel renoviert und erhält einen neuen Spieltisch. Auch die Kirche wird außen renoviert.
Im Jahr 1981 bekommt die Kirche einen behindertengerechten Zugang.
Am 1. Advent 1982 wird über dem Taufstein ein von dem Künstlerehepaar Annelies und Fritz Riethdorf gefertigtes Holzkreuz mit Turmalin aufgehängt.
Das Gemeindehaus wird 1995 renoviert und erweitert.
2010 bekommt die Erlöserkirche ein neues Dach. Die Aussenfassade wird instandgesetzt und erhält einen Neuanstrich.
Im Jahr 2016 erfolgt eine große Innenrenovierung mit der Neugestaltung des Altarbereiches, Konzeption eines Andachtbereiches unter der Empore, neuem, hellen Fußboden, neue Heizung und ein neues Beleuchtungskonzept. Die Bänke werden reduziert, um den Raum vielfältiger nutzen zu können.
Am Erntedank-Sonntag, 02.10.2016 erfolgt die Wiedereinweihung der Erlöserkirche nach fünf Monaten Bauzeit mit Archtiekt Thomas Neumeister aus Landshut.
In den Jahren 2016/2017 wird eine gebrauchte Walcker-Orgel gekauft. Diese wird von der Firma Lenter in Sachsenheim überarbeitet und durch neue Register, einen neuen Prospekt und einige Pfeifen der Mühldorfer Orgel ergänzt. Am 26.03.2017 (Lätare) erfolgt die Weihe der neuen Orgel in der der Erlöserkirche.
